Fragen zum Thema „Weihnachten”


1.      Wie läuft bei Ihnen der Advent und die Vorbereitungen für die Weihnachten? Was machen die Menschen zur Adventszeit?

Das lateinische Wort „adventus” bedeutet wörtlich „Ankunft”. Damit ist die 4-wöchige Zeitspanne der Erwartung und Vorbereitung auf das bevorstehende Geburtsfest Jesu gemeint. In der heutigen multikulturellen Gesellschaft wissen das nicht mehr alle Menschen.  Die Kinder lernen darüber in der Schule. Die meisten Menschen sind Christen und freuen sich auf das „Wiegenfest”, die  „Heilige Nacht” wie Weihnachten sonst auch genannt wird.
Auch im Advent geht der Alltag weiter mit zur-Schule-gehen, arbeiten, einkaufen, Haushalt machen und so weiter. Advent  ist die Zeit, wo die Menschen darüber nachdenken, ob Hektik,Stress, Geld und Geschenke kaufen das Wichtigste in dieser Zeit sind.
    Nach den Schulaufgaben spielen die Kinder im Haus (draussen ist es jetzt immer windig und regnerisch, ca. 6 – 11 Grad Celsius). Mit größeren Geschwistern werden kleine Geschenke aus Holz gebastelt. Die Kinder schreiben Wunschzettel an den Nikolaus, an den Weihnachtsmann und an das Christkind. Ungefähr 50 km von hier entfernt ist ein Ort, der  heisst Nikolausdorf. Da kommt jetzt so viel Kinderpost an, dass viele Frauen helfen müssen, alle diese netten Briefe zu beantworten. Denn was ist schöner, als wenn die Augen der Kinder vor Freude strahlen, wenn sie vom Nikolaus oder seinen Helferinnen Antwort bekommen?
    Größere Kinder basteln Schmuck für den Tannenbaum oder Laternen. In manchen (leider zu wenigen) Familien wird auch selber auf Instrumenten musiziert und gesungen.
    Die Erwachsenen gehen gerne in die Stadt und sehen in den Schaufenstern, was es Neues zu kaufen gibt. Alles kann man sich nicht leisten, aber für die Familie findet man doch immer schöne Sachen, die man gebrauchen kann und die Freude machen. Viele Leute haben nicht mehr so viel Geld. Dann muss man Fantasie entwickeln, was zu tun ist, um den anderen in der Familie und seinen Freunden eine Freude zu machen. Und wir erfahren, dass man mit gekauften Geschenken nicht auch die Freude kaufen kann. Sondern dazu gehört die Freundlichkeit von Mensch zu Mensch, gehört Zuversicht und Vertrauen, gehört Humor und auch Lachen und die Geborgenheit in der Familie für jeden.
    Am Abend haben viele Leute in der Adventszeit mehr Zeit, zu Hause. Im Sommer wird Sport gemacht und gewandert, jetzt ist es ab 16.00 Uhr dunkel und man freut sich auf sein warmes zu Hause. Im Garten ist es dunkel, das Laub bedeckt die Beete und Wiesen. Einige Vogelarten sind noch da, die nicht nach Süden gezogen sind. Die werden mit Vogelfutter von den Menschen versorgt. Am Abend werden Freunde eingeladen, man erzählt, trinkt heißen Glühwein oder Grog. Es ist gemütlich und schön. Oder man liest ein Buch bzw. hört gute Musik. Sehr viele Menschen aber schauen auch jetzt in der Adventszeit leider zu viel Fernsehen. Dabei ist es viel schöner, sich kreativ zu beschäftigen: Handarbeiten oder größere Sachen im Keller zu basteln, oder miteinander sprechen.
    Ein besonderer Höhepunkt in der Adventszeit ist der Nikolaustag, den ihr sicher auch kennt. Da stellen die Kinder ihre geputzten (!) Stiefel in den Hausflur. Und der Nikolaus füllt sie mit Süßigkeiten, Weißbrot und Obst.
    50 km weiter nach Westen fangen die Niederlande an, dort wird an Nikolaustag so gefeiert wie bei uns zu Weihnachten. Und Weihnachten in den Niederlanden ist dann ohne Geschenke, ganz im christlichen Sinne im Gedenken an den Ursprung unseres Glaubens.
    Die Adventszeit und Weihnachten haben auch in der modernen, technischen Zeit bei uns eine besondere Bedeutung. Denn mit Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu. Und alle Eltern der Welt freuen sich, wenn sie ein gesundes Kind zur Welt bekommen und eine Familie sind. Wer krank ist, keine Arbeit und somit auch kein Geld hat, denkt anders über Weihnachten nach und findet leichter zum Sinn und Ursprung dieser geweihten Nacht zurück.
    Am Wochenende gehen die Leute aus den Dörfern in die kleinen und größeren Städte. Dort sind herrliche Weihnachtsmärkte aufgebaut, mit Buden und Karussels. Überall ist Licht, es riecht nach Keksen, Bratwurst oder Glühwein. Man kann kleine Geschenke kaufen, oder bummelt einfach nur so. Man trifft Bekannte und dann steht man beisammen und erzaählt und die anderen Menschen müssen sehen, wie sie um diesen Haufen Leute herumkommen, so viele sind unterwegs.
    Mit dem Advent beginnt auch das neue Kirchenjahr. Und wer kennt nicht die Vorfreude auf Weihnachten, auf leckeres Essen und natürlich auch auf Geschenke. Einen ganzen Monat lang Vorfreude – das ist doch prima. Nur auf meinen Geburtstag freue ich mich noch mehr....

 

2.      Gibt es spezielle deutsche Traditionen und Speisen?

Sicher. Auch sehr viele, die ich selber alle nicht kenne, denn das ist von Region zu Region unterschiedlich.
Eine Tradition in ganz Deutschland ist der Adventskranz. Den gibt es in jeder Kirche, in jedem Haus und oftmals auch in Geschäften. Jede Woche wird eine Kerze mehr angezündet, bis ab 4. Advent alle 4 Kerzen brennen und symbolisch Licht in die Dunkelheit bringen. Kerzenlicht in der Wohnung ist gemütlich, aber man muss auch aufpassen, dass nichts passiert. Sicher habt auch Ihr den Adventskranz, geschmückt mit buntem Allerlei.
    In früheren Zeiten gab es auch das Bleigießen. Je nachdem wie das Blei beim Schmelzen verlief, orakelte man daraus die Zukunft. Eigentlich ein heidnischer Brauch, der heute oftmals noch am Sylvesterabend für Spaß sorgt.
    Tradition sind auch die wunderschönen Konzerte, wo Chöre und instrumentale Gruppen, meistens in den Kirchen, den Menschen einige behagliche musikalische Stunden bescheren.
    In der Adventszeit gehen Vereine oder die Mitarbeiter von Betrieben auch gerne in ein Restaurant, um dort schön zu essen und mal Privates zu erzählen und freundlich miteinander umzugehen. Das ist gut und wichtig. Denn im Arbeitsalltag ist das nicht immer so.
    In den Bergen, wo Schnee liegt, sind Advent und Weihnachten viel romantischer. Ich tröste mich damit: die Straßen sind auch rutschiger und gefährlicher zu fahren. Man muss schon gut aufpassen. Bei uns hier in Jade, nahe der Nordseeküste, schneit es viel seltener. Das Meereswasser hält lange die warme Temperatur des Sommers und macht das Klima milder. Der Wind kann aber auch für einige Tage hart und rauh und kalt sein. Allgemein aber ist es an der Meeresküste im Winter „wärmer” als im Binnenland.
    Im Winter essen wir gerne deftig und kräftig. Eine besondere Spezialität ist das „Grünkohlessen”. Das müsstet ihr mal erleben! Egal, welches Wetter, man läuft in großer Gruppe draußen herum, macht alle möglichen Spiele und spaßigen Unfug, trinkt auch mal Schnaps oder Grog und dann haben alle nach bis zu 10 km Spaziergang riesigen Hunger auf Grünkohl. Das ist ein sehr leckeres Kohl-Gemüse, in Fett gekocht, mit tollen Gewürzen, mit Kartoffeln und verschiedenen Sorten passender Wurst und Fleisch. Dazu trinkt man Bier und auch den einen oder anderen Schnaps. Nur wer Auto fahren muss, muss Wasser oder alkoholfreie Getränke trinken.
    Etwas adventlicher geht es dort zu, wo die Mutter nachmittags mit den Kindern zu Hause ist. Denn dort werden Plätzchen und Kekse nach alten Rezepten gebacken, Hörnchen, Pfannkuchen, Mutzenmandeln, Brezeln und „Stutkerl”. Der Stutkerl ist ein lustiges Männchen, ca 30 cm groß, aus süßem Weißbrot, Rosinen bilden Augen, Nase und Mund. Und die Kinder halten es kaum aus, den Stutkerl zu vernaschen. Die gebackenen Kekse verzaubern das Haus mit einem wunderbaren Duft aus Vanille, Zimt, und allerlei leckeren Zutaten. Das Gebäck wird dann in Glas- oder Blechdosen aufbewahrt und im Winter nach und nach gegessen. Ich erinnere mich sehr gut, wie wir als Kinder, wenn wir „artig” und sauber gewaschen waren, den restlichen leckeren Teig in der Backschüssel aufessen durften. Da war richtig was los, denn jeder wollte möglichst viel bekommen ..
    Eine schöne Tradition war früher das Bratapfelessen. Als man noch einen richtigen Herd (und keinen elektrischen oder Gasofen) hatte, gab es jeden Tag Bratapfel mit Rosinen und Vanillesoße. Heute gibt es aus Keramik kleine Gefässe, in die über einem Teelicht (kleine Kerze) der Bratapfel zubereitet wird. Manchmal träufeln die Männer da etwas Rum drüber, soll noch besser schmecken, meinen aber nur sie.
 

3.      Wie bereiten sich die Kinder auf die Weihnachten vor?

Das ist eine sehr wichtige Frage. Denn zu Weihnachten wurde das Jesuskind geboren, also auch ein Kind. Und alle Familien freuen sich, wenn sie gesunde und wohlerzogene Kinder haben. Die Kinder haben es dann in der Familie gut und sind glücklich. Und das wollen wir doch eigentlich alle.
    Für die Kinder ist nach dem eigenen Geburtstag das Weihnachtsfest das Wichtigste im Jahr. Auch wenn sie klein sind, merken sie, dass diese Zeit etwas ganz besonderes ist. Die Menschen haben mehr Zeit füreinander, sind freundlicher als sonst.
    In der Schule lernt man im Relogionsunterricht oder in der Sozialkunde biblische Einzelheiten und manchmals ist dieses frische Wissen bei den Kindern und Jugendlichen stärker vorhanden als bei den Erwachsenen, die zum Teil viele Jahre in nicht-christlicher Weise leben mussten.
    Die Jugendlichen sind heute „cool”, aber freuen sich auch auf diese schöne Zeit. Denn wenn wir keine Advent- und Weihnachtszeit hätten, wäre unsere Welt und das soziale Miteinander viel ärmer. Es gäbe mehr Hass und Streit. In der Advents- und Weihnachtszeit (die geht von Heiligtag bis Maria Lichtmeß = 2. Februar) besinnt man sich, dass es besser ist, miteinander zu leben als gegeneinander. Und was die Familie betrifft, kann man gut und gerne auch auf die Völker übertragen. Deswegen halte ich zum Beispiel ein geeintes Europa, an dem wir gemeinsam arbeiten, für eine wichtige Sache im Sinne des guten menschlichen Miteinanders.
    Natürlich stehen für Kinder die Geschenke im Mittelpunkt. Aber wir schenken doch nur denen etwas, die uns besonders nahe stehen und die wir lieben und von denen wir geliebt werden. Und ohne diese Liebe kann keiner leben. Die Geschenke drücken dies aus.  Und so basteln die Kinder sehr gerne, häufig Laternen, mit denen sie durch die Straßen ziehen. Wenige Wochen vor der Adventszeit, am 11.11. zu St. Martin ziehen sie von Haus zu Haus und singen. Dafür bekommen sie Süßigkeiten von den Familien.
    Viel Taschengeld ist auch nicht übrig, um davon für alle Familienmitglieder Geschenke zu kaufen. Und so sind die Kinder und ihre Lehrerinnen und Lehrer sehr fantasievoll beim Malen und Werken. Kleine Häuser für die Eisenbahn oder auch Krippen werden gebastelt.
    Oder sie studieren kleine weihnachtliche Theaterstücke ein, sogenannte „Krippenspiele”. Da bekommt jeder eine Aufgabe als Maria, Josef und das Jesuskind, als Hirte oder als singender Engelchor. Das wird dann in der Schule oder am Wochenende in einem Saal aufgeführt.  Ich habe das in dieser Woche auch wieder erlebt. Viele Kinder sind dabei aufmerksamer und eifriger als sonst in der Schule und man merkt ihnen an, wie sehr ihnen dieses Krippenspiel Freude macht.
    Bei den Geschenken kommt es  nicht darauf an, wie groß oder teuer sie sind, sondern wie gerne man sie verschenkt und damit dem anderen Menschen sagt: „Ich mag dich”.
 

4.      Sind die Häuser ausgeschmückt?

Ja sehr, draußen wie drinnen. Jedes Haus hat Schwippbögen (hölzerne Lichterbögen mit Schnitzereien und Motiven, meistens aus dem Erzgebirge zwischen Dresden und Tschechien), mit echten oder jetzt meist elektrischen Kerzen auf den Fensterbänken stehen. Lichtschläuche am Dach, am Balkon, kleine Lichterketten auf Bäumen und im Garten symbolisieren, dass wir Menschen es sind, die Licht in die Dunkelheit bringen können und wollen. Und wer bereit ist, große Stromrechnungen zu bezahlen, der stellt auch farbige Märchen- und Tierfiguren im Garten auf. Das finde ich aber kitschig und es hat eigentlich nichts mit Weihnachten zu tun. Da finde ich es besser, in der kalten Jahreszeit zu helfen, dass die Tiere des Waldes genug Futter finden und die Vögel ihr Futter, dort wo ich sie durch das Fenster sehen und mich an ihnen freuen kann.
    Früher gab es auch Feuer, um die heidnischen Geister auszutreiben. Eines ist übrig geblieben, das Osterfeuer.
    Über den Adventskranz habe ich an anderer Stelle geschrieben. Die Wohnungen werden  beinahe so eifrig geputzt wie im Frühjahr, und ganz herrlich ausgeschmückt. Im Mittelpunkt steht in christlichen Familien die Krippe, die dann zu Weihnachten unter den Weihnachtsbaum gestellt wird. Na und über den Weihnachtsbaum brauche ich Euch nichts zu schreiben. Der ist bei Euch mindestens genauso schön wie bei uns. Viele Kerzen sind im Wohnzimmer verteilt. An den Fenstern hängen selbstgemachte Bilder. Zum Beispiel: im Sommer gesammelte und getrocknete Gräser und Blätter werden dekorativ arrangiert und zwischen zwei klarsichtige Kunststoffseiten geklebt. Ein Band zum Aufhängen dran – fertig. Da kann jeder so kreativ sein wie es möglich ist. Es ist eine behagliche Atmosphäre, der sich keiner entziehen kann, warum auch.
    Besonders geschmückt sind die Kirchen. Dort hängen sehr große Adventskränze und neben dem Altar stehen ab Weihnachten Krippen mit oftmals lebensgroßen Figuren.
    Über die Straßen der großen und kleinen Städte sind fantasievolle Lichterketten gespannt, Netze mit leuchtenden elektrischen Kerzen sind in den Bäumen. Das sieht alles ganz toll aus. In kleineren Dörfern wie bei uns in Jade haben die Geschäfte an der Außenmauer zur Straße leuchtende Sterne angebracht.  Das sieht auch gut aus bis Mitternacht, dann werden sie ausgemacht. Und die Schaufenster sind nie so üppig und so reich dekoriert wie in dieser Zeit. Alles vom Feinsten, es glitzert und funkelt, ist neu und verlockend – nur es muss auch bezahlt werden können. Da braucht niemand traurig zu sein – die Freude in deinem Herzen, weil es Dir eigentlich doch gut geht – brauchst Du nicht zu kaufen und die kann dir keiner nehmen. Denke daran.

5.      Bei uns sind die echten Weihnachten „die weißen Weihnachten”, wie ist das Wetter bei Ihnen?

Wir leben hier an der Küste mit einem feuchten, wintermilden Meeresklima. Schnee ist seltener als noch vor 10 Jahren. Wenn es schneit, sieht es nur auf dem Dach und im Garten schön aus, oder der Rauhreif liegt auf den Bäumen – ein Kunstwerk wie es Menschenhand nie schaffen kann. Ansonsten wird der Schnee von den Straßen geräumt mit Spezialfahrzeugen. Es werden Mittel verspritzt, die das Eis oder den festgefahrenen Schnee auftauen und damit den Straßenverkehr sicherer machen. Jetzt haben wir es so weit, das an Randstreifen auf Rad- und Fußwegen der Schnee liegenbleiben darf, damit die Kinder dort ihren Schlitten entlang ziehen können. Natürlich friert es hier auch, aber nicht so viel und so kalt wie bei Euch. Nicht jedes Jahr, aber doch alle paar Jahre frieren die kleinen und größeren Seen zu. Dann wird darauf spazieren gegangen, die Jungens spielen Eishockey gegen die meist recht guten Mädchen. Wer da bei fairem Verhalten gewinnt, ist nicht immer sicher. Wer nicht ängstlich ist, läuft gerne Schlittschuhe.
    In Wilhelmshaven und anderen Städten finanzieren die Geschäfte eine zeltüberdachte Kunsteisbahn, auf der dann für ein geringes Eintrittsgeld Schlittschuhlaufen möglich ist, wenn es draußen auch 10 Grad warm ist...
    In den Mittelgebirgen Deutschlands (ähnlich hoch wie das Bakonygebirge) liegt mehr und höher Schnee. Und in den süddeutschen Alpen ist richtige „weiße Weihnacht” mit romantischer Schneepracht. Das kennen wir nur von den Postkarten oder aus Filmen oder von Besuchen dort. Das ist dann völlig anders als hier, wo sich die Bäume an der Küste windschief gegen den Sturm stämmen und wo die Fischerboote nicht mehr jeden Tag rausfahren können. Auch auf den Flüssen hat es schon Behinderungen im Fahrwasser durch Eis gegeben. Aber die Schiffe können das Eis heut beseite schieben und ihre Fracht sicher in den Hafen bringen.

6.      Spielen die persöhnlichen Überraschungen eine wichtigere Rolle oder kaufen Sie lieber Geschenke in den Geschäften?

Jetzt plaudere ich mal ein Geheimnis aus. Ich habe immer ein kleines Notizheft bei mir, in das ich das ganze Jahr alles aufschreibe, was sich Mitglieder meiner Familie wünschen. Meistens haben sie es bis Weihnachten vergessen, auch ich. Aber mein Notizbuch nicht. Und das hilft mir in der Adventszeit prima. Da ich selber nicht so gut basteln kann, kaufe ich lieber Geschenke ein. Einen Tag gehe ich ganz alleine in die Stadt und schaue mir in den Geschäften und bei den Marktbuden alles an und merke mir, was als Geschenk geeignet ist und wieviel Geld es kostet. Manchmal mache ich auch ein Foto davon, um mich besser erinnern zu können. Zu Hause prüfe ich dann, was und wieviel ich gesehen habe und ob mein Geld reicht. Wenn nicht, muss ich etwas wegstreichen und für den Geburtstag oder das nächste Weihnachten im voraus notieren.
    Das mache ich schon jahrelang so und es funktioniert immer. Du kannst es auch so machen. Macht richtig Spaß und meistens weiß ich dann ein Geschenk und muss mir deswegen keine Sorgen machen.
     Und meine Frau ist dann sehr überrascht, wenn sie ein schönes Geschenk bekommt, was sie gar nicht auf dem Zettel an das Christkind geschrieben hat und doch ein Wunsch von ihr war. Dann freuen wir uns beide.

7.      Wie wird der Weihnachtsbaum ins Zimmer gebracht?

Das ist meistens lustig, nur für den Vater nicht.
    Er will zeigen, wie geschickt er handwerklich ist, aber wer im Büro arbeitet, hat manchmal mit dem Handwerkern Probleme. Wir lösen das wie folgt: wir kaufen den
    Weihnachtsbaum spätestens bis Mitte Dezember. Am hellen Tag, wenn es nicht regnet und man den Baum im Auto transportieren kann. Bei uns ist er meistens bis 2 m groß. Edle Nordmanntanne oder Blautanne. Die halten über Heilige Drei Könige hinaus, manchmal bis Februar. Die Bäume können wir nicht aus dem Wald holen, sondern müssen sie kaufen. Die meisten hier kommen aus Skandinavien oder Osteuropa.
    Wir sehen, ob der Baum gut gewachsen ist, damit wir nicht mit der Bohrmaschine die Zweige umsetzen müssen und ich mich nicht handwerklich blamiere.  Der Händler hat eine einfache Maschine, in die der Baum gesteckt wird und am Ende mit einem Kunststoffnetz eng verpackt wieder herauskommt. Zu Hause wird der Baum ausgepackt und liegt bis zum 21. Dezember draußen an frischer Luft. Dann hole ich den Baumständer und prüfe, ob der Stamm hineinpasst und gut hält. Manchmal muss ich noch etwas hobeln und sängen, aber das klappt einigermaßen gut. Und die Schrauben im Ständer halten den Baum fest. Wir haben es besser als die Menschen, die in einem großen Haus im 3. Stock oder höher wohnen. Wir brauchen den Baum keine Treppen herauf zu tragen, sondern nur durch die Terassentüre ins Wohnzimmer bringen. Paar Nadeln fallen ab, aber nicht viele. Mit Perlondraht binde ich den Baumstamm an zwei Wandhaken fest, damit er auf keinen Fall umfallen kann. Dann wird der Baum geschmückt, mit allem was wir dazu haben. Und obwohl das jedes Jahr so ist, ist er doch jedesmal der schönste Weihnachtsbaum...
    Aber wie das Leben so ist, irgendwann muss der Weihnachtsbaum wieder aus dem Zimmer raus. Das mache ich dann alleine, damit es keine Tränen gibt. Und ich selber sage mir: nächstes Jahr kommt die nächste Generation Weihnachtsbäume, so wie es auch bei uns Menschen Generationen gibt. So ist das Leben.
    Es gibt aber auch einige Leute, die wollen keinen Weihnachtsbaum im Zimmer haben, das macht angeblich zu viel Schmutz oder kleine Insekten kommen mit ins Haus. Sie stellen dann den Weihnachtsbaum auf den Balkon oder die Terasse und begucken ihn durch das Fenster. Das finde ich aber nicht so echt, nicht so natürlich und nicht so gut.
    Leider gibt es auch Leute, die gar keinen Weihnachtsbaum haben und in der Zeit lieber wegfahren, zum Beispiel ins Gebirge, um dort die romatische Bergweihnacht im Schnee zu erleben... Vielleicht tut das ihrer Seele gut. Wir aber, wir wissen, dass es zu Hause am schönsten ist. Und wenn es uns gelingt, das ganze Jahr über freundlich zu sein, bewahren wir uns einen kleinen Rest dieser weihnachtlichen Freude im Herzen. Und das wünsche ich Dir auch.

 

Ferdinand Emmrich.